Februar

Pflanze des Monats Februar 2008 – Geweihfarn


Botanischer Name: Platycerium bifurcatum (Cav.) C.Chr.

Deutsche Namen: Gewöhnlicher Geweihfarn, Hirschfarn, Breithornfarn

Pflanzenfamilie: Polypodiaceae (Tüpfelfarngewächse)

Heimat / Geschichte:
Der Geweihfarn (Platycerium bifurcatum (Cav.) C.Chr.) wächst als Epiphyte hoch oben in den Baumwipfeln tropischer Regenwälder von Australien, Malaysia, Afrika und Amerika.
Nach dem Botaniker C. Christensen (1872 – 1942) schwebt er, riesigen Adlernestern gleich, in Höhen von 30 m und mehr in den Astgabeln der großen Urwaldbäume. Er wird dort bis zu 2 m hoch und ebenso breit, so dass er gelegentlich durch das eigene Gewicht bedingt, herabfällt.
Der wissenschaftliche Name setzt sich aus dem griechischen Wort „platys“ = breit und dem lateinischen Wort „furcatus“ = gegabelt zusammen.
Bei uns hat der Geweihfarn als Zimmerpflanzenschmuck eine dekorative Bedeutung erlangt.
Er erreicht aber hier nur etwa die Hälfte seiner natürlichen Größe

Botanik:
Der Geweihfarn (Platycerium bifurcatum (Cav.) C.Chr.) gehört als eine von 17 Arten zur Gattung Platycerium innerhalb der Familie der Polypodiaceae (Tüpfelfarngewächse). Er ist eine blütenlose Sporenpflanze. Typisch für die insgesamt etwa 10.000 Farn-Arten sind außerdem die Farnwedel.
Zur Lebensweise des Geweihfarns als Epiphyte (Pflanze, die auf anderen Pflanzen wächst, die sich aber selbst ernährt) gehört, dass er zwei Arten von Blättern ausbilden kann. Es sind unfruchtbare Nischenblätter und gabelig verzweigte fruchtbare (fertile) Laubblätter, die der Sporenbildung dienen.
Die kurzlebigen Nischenblätter liegen an ihrer Basis an der Baumrinde fest an, stehen oben weit ab, so dass sie eine Tüte oder Nische bilden.
Sie sind rund, konvex, mit gelapptem Rand und 20 cm im Durchmesser. Durch Auflösung der übereinander liegenden Blätter entsteht Humus, der sich in den Nischen sammelt. Vogelkot, tote Insekten, herabfallende Blätter von den Bäumen und Regenwasser vervollständigen diese Vorratskammer. Die Nischenblätter sorgen so für die Sicherstellung der Nährstoff- und Wasserversorgung der Pflanze. In diesem Humus entwickeln sich auch Wurzeln.
Die normalen, langlebigen, im oberen Teil zungenförmig herabhängenden, dicken, graugrün behaarten Laubblätter dienen der Assimilation und der schon genannten Sporenbildung. Die Laubblätter sind außerdem zwei- bis dreimal fächerförmig gegliedert, um sich dann eben am Ende gabelig in längliche (10 cm) und breite (4 cm) Lappen oder Zungen aufzuteilen. Die Gesamtlänge beträgt bis zu 70 cm. Im unteren Teil der Pflanze sind sie keilförmig verschmälert.

Die hellbraunen Sporangien, die die Sporen enthalten, sitzen in großflächigen Sporenlagern (Sori) an der Unterseite der geweihförmig gabelig geteilten Blattendlappen.
Der Geweihfarn vermehrt sich wie bei allen Farnen im Generationswechsel nicht nur durch Sporen, die dafür trockene und feuchte Phasen benötigen, sondern auch vegetativ durch Adventivknospen (Brutknöllchen), die an den Wurzeln gebildet werden. Je Mutterpflanze können pro Jahr aus diesen Knospen etwa 20 Jungpflanzen entstehen. Der Geweihfarn gehört zu den merkwürdigsten Gebilden im Pflanzenreich

Standort / Pflege :
Da der Geweihfarn (Platycerium bifurcatum (Cav.) C.Chr.) ein Bewohner warmer Regenwälder ist, gedeiht er am besten in einem feuchtwarmen Gewächshaus.
Da er aber nicht zu sehr empfindlich ist, kann man ihn auch zu Hause im Zimmer halten. Zu trockene Luft führt zum Eintrocknen der Wedelspitzen. Er benötigt eine Tagestemperatur von ca. 18°C – 22°C, keine direkte Sonne. Nachts verträgt er auch 16°C – 18°C. Das Gießwasser, dem Dünger zugefügt werden sollte, muss stets stubenwarm sein. Am besten zieht man den Geweihfarn auf einem Robinienzweig oder in einem Körbchen, das man aufhängt. Denn die Normalblätter wachsen nach unten und nicht nach oben.
Die Vermehrung durch Sporen wird in der Regel von Gartenbaubetrieben ausgeführt, da sie sehr langwierig und schwierig ist. Meistens vermehrt man durch Teilung der Pflanzen im Frühjahr oder durch Ablösen der Adventivpflanzen.
Befall durch Käfer- und Mottenlarven ist möglich. Bei Befall von Schildläusen sollte man diesen Schädling abkratzen. Vom Spritzen mit Pflanzenschutzmitteln ist aus verschiedenen Gründen abzuraten.
Beachtenswerte Geweihfarne präsentiert der Botanische Garten Wuppertal in seinem neuen Tropenhaus.

Text: Barbara Lawatsch 01/08
Foto: Frank Telöken

Quellenangabe: 
Encke, Fritz:
Pareys Blumengärtnerei, Band I
Paul Parey in Berlin u. Hamburg, 1958

Ulmers Pflanzenmagazin
Gartenpraxis 7
Eugen Ulmer, Stuttgart, 1977

http://www.kulturberichte.de/topfpflanzenkulturen/platycerium/platycerium.htm