Oktober

Pflanze des Monats Oktober 2007 – Der Amberbaum


Botanischer Name: Liquidambar styraciflua L.
Deutsche Namen: Amerikanischer Amberbaum, Guldenbaum, Storaxamberbaum
Englische Namen: Sweet Gum, Red Gum
Pflanzenfamilie: Hamamelidaceae (Zaubernußgewächse)

Heimat / Geschichte:
Der Amberbaum (Liquidambar styraciflua L.) kam erst wieder vor über 300 Jahren nach Europa zurück, wo er vor der Eiszeit heimisch war. Sein Ursprung reicht bis in die Kreidezeit ( vor ca. 135 Millionen Jahren). Beheimatet ist er heute in Auenwäldern und Laubwäldern mittlerer Lagen im östlichen Nordamerika bis Mexico und Guatemala .
Sein Name leitet sich von den lateinischen Wörtern liquidus = flüssig und ambra (aus arabisch = ambar) = flüssige, harzartige Masse und styracifluus = Storax liefernd ab.
Sein aromatisches Balsamharz (Sweet Gum oder Red Gum) wurde in Amerika als Kaumittel, dem Vorläufer des Kaugummis, genutzt. Wegen des angenehmen Geruchs und Geschmacks wird es auch heute als Zusatz bei der Kaugummiherstellung und in Backwaren verwendet. Es enthält viel Zimtsäure und wird als „American styrax“ für Kosmetika, in Heilmittel, gegen Haut- und Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Botanik: 
Der Amberbaum (Liquidambar styraciflua L.) ist eine der 6 Arten der Gattung Liquidambar. Und diese gehört zu den 32 bekannten Gattungen der Zaubernußgewächse (Hamamelidaceae).
An heimatlichem Standort kann der Amberbaum eine Höhe von 50 m erreichen. In Mitteleuropa wird er ca. 25 m hoch und ca. 12 m breit. Er ist langsamwüchsig, sommergrün und frosthart. Korkleisten am Stamm und an den Ästen sind typisch für ihn und Erkennungsmerkmale im Winter. Die Rinde der Stämme ist rotbraun, im Alter graubraun. Wird sie verletzt, tritt ein aromatisch riechender Saft aus den Wundstellen aus. Auf dem geraden Stamm trägt er eine wohlproportionierte, malerische Krone.
Die großen fünflappigen, tief gebuchteten, wechselständigen, unterseits behaarten Blätter werden 15 x 15 cm groß. Der rötliche Blattstiel kann bis zu 10 cm lang werden. Der Blattrand ist fein gesägt. Im Sommer sind die Blätter, die an ein Ahornblatt erinnern, oberseits dunkelgrün und glänzend. Mit dem Herbstbeginn leuchten sie gelb, orange, rot und karminviolett. Außerdem duften sie wie der Saft aromatisch.
Die getrennt geschlechtlichen Blüten des einhäusigen Amberbaumes sind unscheinbar. Die männlichen Blüten bilden eine endständige, aufrecht stehende Ähre, die weiblichen gelbgrüne, hängende Köpfchen. Die Blühfähigkeit des Amberbaums beginnt erst nach ca. 20 Jahren.
Im Gegensatz zu den meisten Zaubernußgewächsen, die Frühblüher sind und auf Windbestäubung angewiesen sind, blüht der Amberbaum im Mai und wird unter anderem auch von Bienen bestäubt.
Die sich bis zum Herbst entwickelnden Fruchtkapseln stehen in Fruchtköpfchen zusammen. Die Köpfchen sind bis zu 3 cm im Durchmesser groß, kugelig, mit verdornten Stempeln versehen und stark holzig. An langen Stielen hängend bleiben sie noch lange nach dem Blattfall am Zweig, oft den ganzen Winter über. Die Kapseln öffnen sich zweiklappig, um die große Anzahl an geflügelten Samen zu entlassen. Die Samenschale ist hart, glänzend, dunkelbraun und eiförmig bis länglich.
In Mitteleuropa reifen die Früchte und Samen aber meistens nicht aus.

Standort / Vermehrung / Verwendung:
Der Amberbaum steht auf relativ feuchten, nährstoffreichen Böden. Er verträgt keine kalkreichen Standorte und benötigt während der Vegetationszeit ausreichend Wärme. Als Tiefwurzler kann er beim Verpflanzen Probleme bereiten.
Die Aussaat erfolgt ab März unter Glas oder Folie. Der Samen wird zunächst 1 bis 3 Monate bei 2° bis 4°C stratifiziert. Die Stecklingsvermehrung im Juli ist möglich, wenn von jungen Bäumen Stecklinge genommen werden. Die Absenker von jungen Trieben entwickeln ebenfalls Wurzeln. Ausreichend bewurzelt sind diese Pflanzen erst nach 2 Jahren.
Das weiche, doch zähe Nutzholz wird vielseitig bei der Möbelherstellung verwendet. Durch spezielles Beizen entsteht aus ihm das Satin – Walnußholz. Aus dem Amberbaumholz werden z.B. auch Musikinstrumente hergestellt.
Der Anbau des Holzes für die Industrie spielt besonders in Mexiko eine Rolle.
Neben der Gewinnung des Baumharzes wurde früher auch aus den Blättern ein ätherisches Öl hergestellt.
Der Amberbaum zählt zu den Bäumen mit der großartigsten, schönsten Herbstfärbung. Seine Farben gehören zu dem Naturschauspiel des „Indian Summer“ in Nordamerika.
In Einzelstellung kommt das leuchtend rote Laub auf großen Rasen-, Freiflächen oder am Rand von Teichanlagen auch bei uns besonders zur Geltung.
Leider ist er in Parks und Gärten noch nicht so häufig zu finden.
Im Botanischen Garten Wuppertal steht ein noch recht junger Amberbaum am unteren Wiesenhang in der Nähe des Taschentuchbaumes (Davidia involucrata Baill.)

Text: Barbara Lawatsch 09/07
Fotos: Prof. Dr. Manfred Brusten

Quellenangabe:
Dirr, Rudolf Josef: Hanamelis und andere Zaubernußgewächse, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1994
Bärtels, Andrea: Gehölzvermehrung, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1996