Mai

Pflanze des Monats Mai 2012 – Breitblättriges Knabenkraut


Botanischer Name:
Dactylorhiza majalis (Rchb.)
P.F. Hunt et Summerh.

Deutsche Namen: Breitblättriges Knabenkraut, Gewöhnliche, Breitblättrige Fingerwurz

Pflanzenfamilie: Orchidaceae (Orchideen)


Heimat/Geschichte:

Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ist vom Tiefland bis in hochmontane Lagen in Europa bis Mittelsibirien zu finden. Es wurde 1828 von Ludwig Reichenbach beschrieben. Die Erforschung des Breitblättrigen Knabenkrautes und die anderer Erdorchideen begann aber erst um 1840. Peter Francis Hunt und Victor Samuel Summerhayes ordneten die Art dann 1965 der Gattung Dactylorhiza zu. Im Volksglauben und in der Volksmedizin war das Breitblättrige Knabenkraut aber schon sehr viel früher bekannt. Ihm wurden übersinnliche und heilende Kräfte zugeschrieben.
Der Gattungsname Dactylorhiza leitet sich von den griechischen Wörtern daktylos = Finger, da die Wurzelknollen fingerartig gestaltet sind und von rhiza = Wurzel ab. Das lateinische Wort maialis weist auf den Blühbeginn im Mai hin.
Durch fortschreitende Vernichtung seines Lebensraumes ist das Breitblättrige Knabenkraut stark gefährdet und steht unter strengem Naturschutz. Noch vor gut 100 Jahren war es z.B. in Nordrheinwestfalen häufig anzutreffen und weit verbreitet.


Botanik:

Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) gehört mit etwa 33 Arten innerhalb der Gattung Dactylorhiza (Knabenkräuter) zur Familie der Orchidaceae (Orchideen). Es ist eine ausdauernde, sommergrüne, doch voll frostharte Staude mit einer abgeflachten,
dreiteilig-handförmigen Knolle. Die kräftige Pflanze mit dickem Stängel kann bis 40 cm hoch werden. An ihm sitzen 4-6 abstehende, spitzeiförmige, fleischige, dunkel gefleckte Laubblätter, die nach oben hin am Stängel kleiner werden. Im unteren Stängelbereich werden sie bis zu 18 cm lang und bis 3.5 cm breit.
Den Abschluss des Stängels bildet eine prachtvolle, dichtblütige, 5 cm-15 cm lange, zylindrische Ähre. Sie blüht von Mai bis Mitte Juni mit bis zu 50 Blüten. Der Blühtenstand streckt sich erst zur Zeit der Blüte. Zuerst blühen die unteren Blüten. Die mehr als 2 cm langen Tragblätter bedecken die Blüten vor dem Aufblühen und sind länger als diese.
Die 10 mm-15 mm großen Blüten sind lebhaft purpurviolett gefärbt. Die Einzelblüte trägt die seitlichen Kelchblätter (7 mm-12 mm lang, 2.5 mm-5 mm breit) nach oben abstehend, die übrigen bilden mit den Blütenblättern (6 mm-11 mm lang) eine Haube. Die hängende Lippe ist breiter als lang, dreilappig mit punkt- oder strichförmiger Schleifenzeichnung. Die Mittellippe ist etwas länger als die Seitenlappen. Die außerdem abwärts gespornten Blüten enthalten keinen Nektar.

Insekten, meistens Bienen, die durch die auffallende Lippe angelockt werden, werden nur zur Bestäubung verleitet.
In einer einzigen Frucht, einer Kapsel, entstehen im September mehrere tausend bis hunderttausend winzige Samen, die bei trockenem Wetter bis zu 10 km weit verweht werden. Diese ungeheure Zahl steht der geringen Wahrscheinlichkeit gegenüber, dass der Samen ein geeignetes Keimbett findet. Da er keine Reservestoffe besitzt, ist er auf Nahrungshilfe von außen angewiesen. Und die bietet in Symbiose, auch zeitlebens mit der Pflanze, nur ein Mykorrhizapilz, der nicht überall vorhanden ist. Das wurde um 1840 entdeckt.
Schädlinge und Krankheiten sind nicht bekannt.
Knabenkräuter sind häufig schwer zu bestimmen, da die Gattung eine große Variabilität der Arten zeigt.


Standort/Verwendung/Pflege:

Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ist mit seinen Wachstumsansprüchen eng auf bestimmte Standortverhältnisse spezialisiert. Es wächst vorzugsweise auf basischen, von Sonne beschienenen, nährstoffarmen Feuchtwiesen, auch Bachrändern, die für die Beweidung ungeeignet sind. Es war früher die häufigste unserer heimischen Orchideenarten. Da die Standorte vielerorts in ertragsreiches Grünland z.B. durch Düngung, Bauland durch Trockenlegung usw. umgewandelt wurden oder sich durch Flächenstilllegung bewaldeten, konnte es weitgehend nicht überleben.
Ohne Schutzmaßnahmen, sie kommen auch allen anderen lichtbedürftigen Feuchtwiesenblumen zugute, wird es bald ganz verschwunden sein. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde es schon 1994 zur „Blume des Jahres 1994“ benannt.
Kulturversuche, d.h. eine gärtnerische Anzucht, verlaufen bis heute nicht zufriedenstellendend. Artenschutz ist also vorrangig Biotopschutz.
Andererseits ist das Bemühen um die Kultur von Knabenkräuterhybriden aktiver Naturschutz. Sie verhindert z.B. die Entnahme von Exemplaren aus der Natur, die sie bei der Überführung meistens nicht überstehen.


Text:
Babara Lawatsch 4/12

Foto: Prof. Dr. Manfred Brusten

Quellenangabe:
Ulmers Pflanzenmagazin
Gartenpraxis 12/1997
Verlag Eugen Ulmer / Stuttgart

Jelitto, Schacht, Simon
Die Freilandschmuckstauden, Band I
Eugen Ulmer, Stuttgart, 2002

http://de.wikipedia.org/wiki/Breitbl%C3%A4ttriges_Knabenkraut