Dezember

Pflanze des Monats Dezember 2012 – Weihnachtsstern

Euphorbia pulcherrima


Botanischer Name
: Euphorbia pulcherrima Willd. Ex Klotzsch

Deutscher Name: Weihnachtsstern

Pflanzenfamilie: Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächse)


Heimat und Allgemeines:

Der Weihnachtsstern gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).
Interessant ist, daß die Gattung Euphorbia mit mehr als 2000 krautigen, halbstrauchigen und teils sukkulenten Arten über die ganze Erde verbreitet ist. Die Mehrzahl allerdings ist in wärmeren Breiten mit Kontinentalklima zu finden.
Außer in Mexiko findet man die Art noch vereinzelt in Kolumbien und Guatemala. Sie wächst auf den Hochebenen mit deutlichen Trocken-und Regenperioden als über 2m hoch werdender sparriger Strauch, der unregelmäßig blüht. In vielen wärmeren Gegenden ist der Weihnachtsstern eingebürgert und verwildert.
Sie gehört damit zu den artenreichsten Gattungen überhaupt.
Einige dieser Arten sind in regelrechte Wildkräuter mit robustem Wachstum. Die vom äußeren Erscheinungsbild sehr unterschiedlich Pflanzen werden jedoch durch die bei allen Arten relativ gleich aussehenden Blüten, den Cyathien, vereint. Bei der Betrachtung darf man sich allerdings nicht von den Hochblättern einiger Arten, wie z.B. auch die Weihnachtssterne, irreführen lassen. Sie gehören nicht zur Blüte, sondern stellen nur umgewandelte Laubblätter dar, die als sogenannte Hochblätter (Brakteen) bezeichnet werden. Sie dienen nur als Schauorgane der ansonsten nur sehr kleinen Blüten.

Dickfleischige, Wasserspeichernde Euphorbien
Die sukkulenten (wasserspeichernden) Vertreter der Euphorbien sind hauptsächlich in Südafrika in einer erstaunlichen Mannigfaltigkeit vertreten. Aus diesem Grunde befassen sich viele Liebhaber mit diesen interessanten Pflanzen. Erstaunlich ist die Gleichgestaltigkeit einiger Euphorbien mit den Kakteen, die ausschließlich mit wenigen Ausnahmen ihre Heimat in der neuen Welt (Amerika) haben. Es ist beeindruckend, wie die Natur Pflanzen, aus zwei völlig verschiedenen Pflanzenfamilien, auf zwei voneinander getrennten Kontinenten identischen Anpassungsformen an die Trockenheit finden ließ.


Giftigkeit:

Der Milchsaft der Euphorbia-Arten enthält das Triterpengemisch „Euphorbon“. Der scharf schmeckende Milchsaft hat eine strake örtliche Reizwirkung. Auf der Haut kommt es zu Blasenbildung und Nekrosen, auf den Schleimhäuten zu schwerwiegenden Zerstörungen des Gewebes, was im Bereich des Auges zu Blindheit führen kann. Innerlich erzeugt der Milchsaft Erbrechen, Magenschmerzen und heftige Diarrhöen. Nach einer größeren aufgenommenen Menge kann sogar nach Kreislaufschädigung, Kollapserscheinungen und Lähmungen der Tod eintreten. Die verschiedenen Arten sind unterschiedlich in ihre Giftigkeit. Der Weihnachtsstern gilt neuerdings als harmlos, bzw. schwach giftig. Vorsicht ist jedoch auch im Umgang mit ihm geboten.


Geschichtliches:

Der Weihnachtsstern, Adventsstern oder die Poinsettie, wie er auch noch genannt wird, wurde 1822 von Poinsette, einem nordamerikanischen Gesandten in Mexiko, unter den Weihnachtsdekorationen der Azteken gefunden und ihm zu Ehren zunächst Poinsettia pulcherrima genannt .Dies war allerdings ein Irrtum, weil diese Gattung bereits den Namen Euphorbia trug. Die Gattungsnamen Euphorbia wird von Plinius überliefert und entstand zu Ehren von Euphorbos, dem Leibarzt von König Juba von Mauretanien. Der alle Arten gemeinsame scharf schmeckende Milchsaft ist wahrscheinlich der Ursprung für den deutschen Namen Wolfsmichgewächse für dieser Pflanzenfamilie. Im gärtnerischen Sprachgebrauch hießen sie immer noch lange Poinsettie, im Volksmund (mexikanischer) Weihnachtsstern . Die Feuerblume der Mexikaner entstand nach einer Sage der Azteken aus den Blutstropfen des an unglücklicher Liebe gebrochenen Herzens einer aztekischen Göttin.
1834 gelangte sie nach Kew und blühte dort im nächsten Jahr zum ersten Mal. Obwohl wir schon lange von Pflanzen Kenntnis hatten, fand sie erst nach 1900 größere Verbreitung .Seit dieser Zeit beschäftigen sich verschiedene Züchter mit der Verbesserung. Das Sortiment wuchs durch verschiedene Farben der Hochblätter, andere Blattformen und bessere pfanzenbauliche Eigenschaften.


Pflanzenbeschreibung:
Die eigentlichen Blüten sind gelblich, unscheinbar und werden als (Cyathien) bezeichnet. Auffallend sind die Hochblätter (Brakteen), sie dienen der unterstützenden Insektenlockung . Diese Brakteen könnnen, da sie nur eingefärbte Laubblätter sind, noch sehr lange der eigentlichen Blüte an der Pflanze verbleiben und haben somit noch einige Zeit zierende Wirkung. Die Farben der Hochblättern sind rot, rosa, creme und gelb.
Die Äste sind kahl, am Grunde blattlos. Die langstieligen, ca. 7-15 cm langen Blättern können eirunderlänglich, zugespitzt bis eichenblättrig sein. In Trockenzeiten werden die Blätter abgeworfen.


Vermehrung und Kultur:

Der Weihnachtsstern wird nur zu züchterischen Zwecken durch Aussaat vermehrt. In den USA sind Bemühungen zur kommerziellen Samenvermehrung der Weihnachtsstern angestellt worden. Dem steht allerdings noch der zu geringe Samenertrag von 40 Korn je Pflanze im Wege. So bleibt vorläufig zur Gewinnung von Jungpflanzen nur die vegetative Vermehrung durch Stecklinge übrig. Dies erfordert die Haltung von Mutterpflanzen, die nicht zu alt und frei von Krankheiten und Schädlinge sein müssen. Die Pflanzen durchlaufen nach der Blüte eine Ruhezeit von Januar bis März, die eingehalten werden muß. Sie werden in dieser Periode trocken bei 12 bis 15 Grad C gehalten. Dies ist wichtig, um den Austrieb nicht vorzeitig anzuregen, sondern möglichst weit hinauszuziehen. Gegen Ende März ist die Ruhezeit beendet. Im April regen sich die Triebknospen, und das Wurzelwachstum setzt ein. Sie werden, nachdem sie in frisches Substrat umgetopft worden sind, auf Unterwärme bei gleichmäßiger Temperatur langsam angetrieben und schließlich zwischen 20 und 25Grad C hell und bei hoher Luftfeuchtigkeit gehalten. Haben die Triebe 10 bis 12 cm Länge erreicht, werden von ihnen Strecklinge geschnitten. Der an der Schnittfläche abgesonderte, milchige, klebrige und giftige Saft wird im warmen Wasser abgespült. Er würde sonst die Wasseraufnahme und Kallusbildung verhindern und leicht zu Fäulnis führen. Die Bewurzelung ist bei hoher Luftfeuchtigkeit und Bodenwärme in 2 bis 3 Wochen gegeben.
Gut bewurzelte Stecklinge werden gleich in den Endtopf eingetopf. Beim Eintopen ist darauf zu achten, daß die brüchigen, etwas empfindlichen Wurzeln geschont werden. Der Weihnachtsstern ist gegen stagnierende Nässe sehr empfindlich, benötigt allerdings eine gleichmäßige Feuchtigkeit. Nach dem Sichtbarwerden von weiterem Wachstum werden die Pflanzen entspitzt, sofern man Mehrtrieber erhalten möchte. Um die Pflanzen kurz zu halten, wurden in der Vergangenheit Wuchshemmer zur Verkürzung des Längenwachsturms eingesetzt. Die Züchtung neuer, gedrungener Sorten macht heute eine Hormonbehandlung in den meisten Füllen überflüssig. Je nach Sorte können sowohl Topfpflanzen als auch Schnitt-Euphorbien kultiviert werden. Die Kulturdauer richtet sich nach der Größe der Pflanzen. Bei Fünftriebern rechnet man vom Eintopfen in den Endtopf bis zum Verkauf 4,5 Monate, bei Dreitriebern 3,5 bis 4 Monate und bei Eintriebern 2,5 bis 3 Monate.
Der Weihnachtsstern ist eine lichtbedürftige Pflanze und sollte deshalb stets vollsonnig kultiviert werden. Nur bei der Vermehrung und nach dem Eintopfen ist leichter Schatten angebracht, gleichermaßen an sehr heißen Tagen im Sommer.
Der Adventsstern bewurzelt sich am besten bei 20-22 Grad C. Eine Nachtabsenkung um 2-3 Grad C ist möglich. Gegen Ende der Kultur wird die Temperatur bis auf 18 Grad C stufenweise gedrosselt, um eine bessere Ausfärbung der Hochblätter zu erziehlen. Der Weihnachtsstern ist eine obligate Kurztagpflanze, d.h. sie blüht ausschließlich in den kürzesten Tagen des Jahres. Ab einer kritischen Tageslänge von 12 Stunden wird automatisch eine Blüte induziert. Diese Umstand macht sich der Produktionsgartenbau zunutze und verfrüht den Blühbeginn, der ungesteuert um Weihnachten wäre. Durch eine gezielte Verdunkelung werden frühere Verkaufstermine erreicht. Theoretisch ist dadurch ein ganzjähriger Absatz der Pflanzen möglich.
Humusreiche Praxiserden oder Fertigsubstrate wie Einheitserde haben sich gut bewährt. Der pH-Wert sollte bei 5,5 – 6,5, also schwach sauer sein und der Salzgehalt sollte niemals höherer als 2-3 g/1 Substrat sein. Bei höheren Konzentrationen ist mit Wurzelschäden zu rechnen. Im Jungpflanzenstadium sollten stickstoffbetonte Mehrnährstoffdünger verwendet werden, in der Zeit der Blüteninduktion jedoch phosphorbesseren Brakteenausbildung (Hochblätter), die ja umgewandelte Laubblätter sind, eine stickstoffbetonte Düngung, um die Größe der Hochblättern zu fördern.


Krankheiten und Schädlinge:

Einige Pilzerkrankungen sind gelegentlich bei nicht optimalen Kulturbedingungen zu verzeichnen. In den meisten Fällen kann durch die Optimierung der Wachstumsbedingungen jedoch größerer Befall vermeiden werden. Beim Botrytis, dem Grauschimmel, ist eine Senkung der relativen Luftfeuchtigkeit angebracht. Bei Nässe und Temperaturschwankungen werden ein Vergilben der Blätter und Welkeerscheinungen sichtbar, die durch Pythium-Pilze, auch Wurzelbräune genannt, verursacht werden. Eine Optimierung der Kulturbedingungen ist auch hier in jeden Fall notwendig. In einigen Fällen ist jedoch der Einsatz von Fungiziden (pilztötenden Mitteln) unumgänglich. Bei den tierischen Schädlingen sind die Trauermückenlarve und die Weiße Fliege (Mottenschildlaus) gefürchtete Schädiger. Bei beiden Schädlingen ist eine biologische Bekämpfung durch Nützlinge möglich.
Gegen die Weiße Fliege kann die Schlupfwespe (Encasia), die allerdings hohe gleichbleibende Temperaturen zur vernünftigen Entwicklungen benötigt, eingesetzt werden. Bei den Trauermückenlarven kann ein Fadenwurm (Älchen), der mit den bloßen Augen nicht zu sehen ist mit dem Gießwasser ausgebracht wird, Erfolg bringen.
Zum Abschluss ist noch ein pflanzenphysiologischer Schaden, der durch den Mangel an dem Spurenelement Molybdän hervorgerufen wird, zu erwähnen. Dieser Mangel kann Nekrosen hervorrufen, die bei jüngeren Blättern am Rand auftreten und bis hin zum Verlust des ganzen Blattes führen können. Eine Spritzung von Natrium-Molybdän kann den Mangel bei frühzeitiger Erkennung beheben.


Hinweise für den Topfpflanzenkäufer:

Ein vorzeitiges Vergilben der ausgewachsenen Blätter ist meistens im Lichtmangel bei zu hoher oder geringer Bodenfeuchtigkeit zu suchen. Starke Temperaturschwankung sollten ebenfalls vermieden werden. Bei längerer Einwirkung von tieferen Temperaturen und Zugluft treten auf den Blättern gelbe Flecken auf. Ein sicheres Kältezeichen bei Weihnachtsstern ist auch das Einrollen, Hängenlassen oder Abstoßen der Blätter.


Text:
Frank Telöken 10/94 Überarbeitet 11/12

Foto: Prof. Dr. Manfred Brusten

Literatur:
Handbuch des Erwerbsgärtners (Topfpflanzenkulturen)
Autoren: Steib, Feßler, Gradner, Jungbauer, Leinfelder, Melder
Ulmer Verlag

Zierpflanzenbau(Zierpflanzen von A bis Z)
Autoren: Rupprecht, Mießler
VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin

Giftpflanzen in Natur und Garten
Autoren: Wolfram Buff, Klaus von der Dunk
Paul Parey

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