Oktober

Pflanze des Monats Oktober 2009 – Gewöhnliche Platane


Botanischer Name: Platanus x hispanica Münchh.

Deutsche Namen: Gewöhnliche Platane,
Ahornblättrige Platane

Pflanzenfamilie: Platanaceae (Platanengewächse)

Heimat / Geschichte: 
Die Gewöhnliche Platane (Platanus x hispanica Münchh.), die bei uns wächst, wird als Bastard der Morgenländischen (Platanus orientalis L.) und der Abendländischen (Platanus occidentalis L.) Platane angesehen.
Anhand von fossilen Resten auf Grönland ist nachgewiesen, dass die Plantane schon vor etwa 90 Millionen Jahren in der Kreidezeit und auch im Teritär in ganz Europa vorhanden war. Vor ungefähr 300 000 Jahren verschwand sie jedoch während der Eiszeiten. In Europa, außer im Balkan, da hat sie überlebt, ist sie durch Anpflanzung wieder eingeführt worden. Die orientalische Art breitete sich von Italien her in Europa aus. 1561 kam sie nach England, 1750 nach Frankreich. Die westliche Art, -occidentalis- genannt, gelangte 1640 durch die Entdeckung Amerikas nach Europa.
Die erste Kreuzung beider Arten entstand in den botanischen Gärten von Oxford im 18. Jahrhundert. Man bezeichnete sie als Ahornblättrige Platane.
Der Name Platane wird auf das griechische Wort –platys- zurückgeführt, das soviel wie weit ausgebreitet bedeutet und die mächtigen Stämme und stattlichen Kronen beschreibt.
Im Hinblick auf die Platten abblätternde Borke kann der Name aber auch als – plattrindig- gedeutet werden. Die Platane kann ein hohes Alter von 1000 Jahren erreichen. Sie wird schon in der Bibel erwähnt und galt im Altertum als der schönste Baum des Orients. Heute ist sie als Solitär- und Alleebaum beliebt.

Botanik: 
Die Gewöhnliche Platane (Platanus x hispanica Münchh.) gehört mit etwa 8 Arten zur Familie der Platanengewächse (Platanaceae), die nur aus der Gattung Platanus besteht.
Sie ist ein sommergrüner Baum mit einem bis zu 40 m hoch werdenden Stamm, der einen Durchmesser von mehreren Metern erreichen kann. An ihm sitzen kräftige, nach oben strebende Äste mit überhängenden Zweigen. Der Stamm verzweigt sich schon in geringer Höhe und bildet oft große Knoten und flaschenartige Anschwellungen.
Die Baumkrone ist regelmäßig und abgerundet.
Die gelbe bis graubraune Borke löst sich alljährlich im Winter in unregelmäßigen großen Platten ab und erzeugt ein auffallendes Muster am Stamm mit hohem Wiedererkennungs-wert. Die zum Vorschein kommende junge glatte Rinde ist zart gelb bis pistaziengrün gefärbt.
Die ahornähnlichen aber wechselständig angeordneten, derben Blätter am 5 bis 10 cm langen Stiel sind 12 bis 25 cm breit, 3-5 lappig und von 3 Hauptadern durchzogen. Die Lappen sind breit- dreieckig, breiter als lang, ganzrandig und bis zur Mitte eingeschnitten. Um den Stielgrund sitzen große miteinander verwachsene Nebenblätter wie ein Kragen, die aber bald abfallen.
Am verdickten Stielgrund schließt eine kegelförmige Hülle die 10 mm lange Achselknospe ein. Sie wird im Herbst nach dem Laubabfall sichtbar. Vor allem die jungen Pflanzenteile werden von sternförmigen Haaren umhüllt, die in scharfe Spitzen auslaufen. Nach dem Abfallen können sie die Augenschleimhäute und Atemwege reizen und entzünden. Deshalb gibt es auch Gegner von Platanenanpflanzungen.
Die Platane blüht von April bis Mai. Die grünlich- gelben, 7 bis 10 mm kleinen Blüten, jede mit einem langen Haarschopf ausgestattet, stehen eng zusammengepresst meistens paarweise in einem kugeligen Blütenstand. Dieser hängt an einem langem Stiel.
Die Platane ist einhäusig. Männliche und weibliche Blüten sehen sich sehr ähnlich. Die weiblichen Blüten, die vom Wind bestäubt werden, befinden sich in der Regel auf den höheren Asten. Nach der Befruchtung bildet sich aus dem Blütenstand eine Kugel mit einem Durchmesser von 2 bis 4 cm und mit je einem 4 kantigen, 8 bis 10 mm langen, lang behaarten Samen pro Blüte. Die Fruchtreife erfolgt im September/Oktober. Wenn sich im Spätwinter die Kugel öffnet und zerfällt, fallen die Nüsschen raus. Aber wenige Samen reifen nur und viele gehen verloren. Die geschlechtliche Fortpflanzung hat deshalb fast keine Bedeutung. Die Gewöhnliche Platane muss vegetativ vermehrt werden.
Sie gilt als robust, wird aber von einem Pilz befallen, der im Frühsommer die Blätter schwarz werden lässt. Auch Schildlausbefall setzt ihr zu.

Standort / Pflege / Verwendung:
Die Eltern (Platanus orientalis L. x Platanus occidentalis L.) der Gewöhnlichen Platane (Platanus x hispanica Münchh.) sind keine Waldbäume, sondern lichtbedürftige Gehölze an sehr feuchten, humusreichen Standorten wie Flussufern.
Es erstaunt deshalb, dass unsere Platane im Asphalt abgasreicher Städte gut gedeiht und zu den unempfindlichsten Stadtbäumen gehört. Sie verträgt auch einen regelmäßigen, kräftigen Rückschnitt.
Gerne wird sie als schattenspendender Alleebaum gepflanzt.

Da die Platane ein schnellwüchsiger Baum ist, der 60 bis 90 cm im Jahr an Zuwachs hat, liefert sie einen schnellen Nutzholzertrag. Das helle Holz mit einem rötlich- bis dunkelbraunen Kern hat einen matten Glanz und lässt sich gut bearbeiten. Es wird u.a. als Furnierholz verwendet.
In Amerika setzte sie einheimische Bevölkerung die Platane für diverse medizinische Zwecke ein wie z.B. gegen Erkältungen, Atmungs- und Verdauungsbeschwerden.
Platanen sind attraktiv, haben Stil, und sogar die Wintersilhouette ist reizvoll mit den hängenden Kugelfrüchten. Sie sind prächtige Straßen-, Allee- und Parkbäume.

Text: Barbara Lawatsch 09/ 09

Foto: Prof. Dr. Manfred Brusten

Quellenangabe: 

Encke, Fritz:
Pareys Blumengärtnerei, Band I
Paul Parey in Berlin und Hamburg, 1958

Johnson, Hugh:
Das große Buch der Bäume
Hallweg Verlag, Bern und Stuttgart, 1976

Bayard, Fora:
Die Bäume der Welt
Oxford Enzyklopädie
DRW Verlag, Stuttgart, 1981

Quartier, Archibald:
BLV Bestimmungsbuch
Bäume und Sträucher
BLV Verlag, München Wien Zürich

Hecker, Dr. Ulrich:
BLV Handbuch
Bäume und Sträucher
BLV Verlag, München Wien Zürich