März

Pflanze des Monats März 2008 – Zuckerrohr


Botanischer Name: Saccharum officinarum L.

Deutscher Name: Zuckerrohr

Pflanzenfamilie: Poaceae (Süßgräser)

Heimat / Geschichte:
Die Heimat des Zuckerrohrs (Saccharum officinarum L.) sind die tropischen und subtropischen Regionen südpazifischer Länder. Es wurde dort schon im 5. Jahrhundert v. Chr. als Genuss- und Nahrungsmittel kultiviert und gelangte allmählich in das Mittelmeergebiet. Dort wurde es im 7. bis 9. Jahrhundert n. Chr. durch die Araber verbreitet. Die Spanier und Portugiesen brachten es dann schließlich im 15. Jahrhundert auf die Kanaren, in die Karibik und nach Mittelamerika.
Der Zuckerrohranbau in Amerika hat zur leidvollen Verschleppung von Afrikanern in die Sklaverei geführt.
Heute wird das Zuckerrohr hauptsächlich in tropischen Zonen in Indien, Australien, Thailand, Südafrika, auf Kuba, Jamaika, in der Dominikanischen Republik und vor allem in Brasilien angebaut. Diese Länder erzeugen etwa 50% der gesamten weltweiten Zuckerproduktion.
Das Wort Saccharum kommt ursprünglich aus der persischen Sprache: šakar = Zucker.
Zucker war früher in Europa ein Luxusgut und Statussymbol. Da er auch als Heilmittel galt, wurde er nur in Apotheken verkauft. Denn die Zuckerrübe, eine junge Kulturpflanze, wird erst seit ungefähr 200 Jahren zu Zucker verarbeitet.

Botanik: 
Das Zuckerrohr (Saccharum officinarum L.) gehört mit etwa 35 Arten zur Gattung Saccharum L. und diese wiederum zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Diese Familie wird außerdem noch in 6 Unterfamilien gegliedert. Zur Unterfamilie der Penicoideae gehört dann das Zuckerrohr. Seine 4 – 7 m hohen und bis zu 7 cm dicken Halme enthalten ein zuckersüßes Markt (13 – 20%).
Das Zuckerrohr ist eine einkeimblättrige Pflanze.
Süßgräser gehören zu den ältesten und verbreitetsten Nutzpflanzen. Alle Getreide zählen dazu. Mit etwa 10.000 Arten in mehr als 650 Gattungen sind sie eine der größten Familien der Blütenpflanzen.
Die Halme sind durch Knoten (Nodien) gegliedert. Im Bereich der Knoten liegen die aktiven Wachstumszonen. Deshalb sind Gräser sehr regenerationsfähig. Nach einer Mahd treiben sie z.B. aus den verbliebenen Knoten wieder aus. Die Abschnitte zwischen den Knoten werden als Internodien bezeichnet. Die Halme bleiben so beweglich und biegsam.
Die hellgrünen, oft behaarten, lanzettlichen und überhängenden Blätter des Zuckerrohrs setzen an den Knoten an und stehen zweizeilig und wechselständig. Sie werden bis 1,5 m lang, 6 cm breit und laufen spitz zu. Der Blattrand ist durch Einlagerung von Kieselsäure scharfkantig.
Die unscheinbaren Blüten sind in bis 1m langen, pyramidalen, silbrigweißen, feinen Rispen angeordnet, die am Ende der Halme sitzen. Sie sind zweigeschlechtlich. Da sie vom Wind bestäubt werden, sind weder Kelch- noch Blütenblätter ausgebildet. Schwellkörper (Lodiculae) an der Basis der drei Staubblätter spreizen die Spelzblätter auf, damit der Pollen zur Fremdbestäubung leichter verbreitet werden kann.
Der Fruchtknoten mit zwei großen federigen Narben steht auch aus diesem Grund über den anderen Blütenteilen. Das Zuckerrohr ist ein Flachwurzler.

Standort / Pflege / Verwendung:
Das Zuckerrohr (Saccharum officarum L.) benötigt hohe Luft- und Bodenfeuchtigkeit und lehmige Erde. Bei einer Temperatur zwischen 25°C – 28°C unter vollsonnigem bis halbschattigem Standort kann es den besten Ertrag bringen. Da es eine stark wachsende Pflanze ist, ist der Verbrauch an Nährstoffen in den Plantagen hoch.
Eine Zuckerrohrpflanze kann 20 Jahre alt werden. Vermehrt wird durch Stecklinge. Das erste Ernten, das Schneiden des Rohrs erfolgt 9 – 24 Monate nach dem Anpflanzen. Kommen keine Erntemaschinen zum Einsatz, ist das Schneiden des Rohrs eine sehr harte Arbeit, auch wegen der klimatischen Bedingungen. Es wird dicht oberhalb des Erdbodens geschnitten. Nach dem Abstreifen der Blätter muss es innerhalb von 48 Stunden verarbeitet werden. Bei den tropischen Temperaturen wird es sonst schnell von Mikroorganismen angegriffen, die den
Zucker abbauen.
Außer der Gewinnung von Zucker (Saccharose) als Nahrungs- und Genussmittel werden aus dem Zuckerrohr auch Spirituosen hergestellt. Bekannt ist z.B. der Rum aus Kuba.
Der aus frischem Zuckerrohr gepresste Saft ist ein beliebtes Getränk in den Anbauländer. Dort kaut man auch das in Stücke geschnittene Rohr, um den süßen Saft zu genießen. Die rauen Pflanzenteile haben außerdem zahnpflegende Effekte.
Bei der Zuckerfabrikation fallen große Mengen faseriger Bestandteile an (Bagasse). Diese Masse wird z.B. als Brennstoff verwendet. Wegen des hohen Zellulosegehaltes ist sie auch Grundstoff zu Herstellung von Papier und Kartonagen.
Weiterhin wird der aus Zuckerrohr fermentierte, raffinierte Alkohol (Bioethanol) als Kraftstoff für Autos eingesetzt. In Brasilen ist das Zuckerrohr die wichtigste Energiepflanze. Dort tanken etwa 5 Millionen Autos ausschließlich Bioethanol.
Ein wichtiger Einsatzbereich von gehäckseltem Zuckerrohr ist aber auch seine Verwendung als Viehfutter.
Das Zuckerrohr ist bei zahlreichen Schadinsekten beliebt. Der wohl gefährlichste Schädling ist eine Schmetterlingsraupe, die sich durch das zuckerhaltige Markt frisst.
Als grundlegender Bestandteil der Nahrung liefert die Saccharose etwa 13% der Energie, die dem menschlichen Körper durch die Nahrung zugeführt wird. Doch sind ihre Rolle und ihr Wert für die Ernährung des Menschen umstritten.

Text: Barbara Lawatsch 02/08

Foto: Frank Telöken

Quellenangabe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zuckerrohr

http://www.biothemen.de/Qualitaet/tropen/rohrzucker_zuckerrohr.html

http://lexikon.meyers.de/meyers/Spezial:Zeitartikel/Zuckerberg?teaserID=474633