September

Pflanze des Monats September 2008 – Echte Walnuss

Botanischer Name: Juglans regia L.

Deutscher Name: Echte Walnuss

Pflanzenfamilie: Juglandaceae (Walnussgewächse)

Heimat / Geschichte: 
Vor der letzten Eiszeit war die Echte Walnuss (Juglans regia L.) in ganz Europa verbreitet. Sie wurde durch die Kälte verdrängt, überdauerte aber in den gemäßigten Zonen auf dem Balkan, in Vorderasien und bis 3300 m Höhe im Himalaja. Im Gebirge ist sie in feuchten Schluchtwäldern zu finden.
Sie wurde schon vor über 9000 Jahren als Nahrungsmittel genutzt und bei uns durch die Römer wieder eingeführt. Der lateinische Name „Jovis glans“ bedeutet abgewandelt Nuss, die dem Gott Jupiter geweiht ist. Der heutige Gattungsname Juglans entstand ebenfalls aus „Jovis glans“. 1753 ergänzte Carl von Linné ihn durch regia (königlich).
Da die Walnuss von den Römern erst nach Gallien und dann nach Deutschland gebracht wurde, veränderte sich ihr Name von „nux gallica“ in „Walch- oder Welschbaum“. Im
18. Jahrhundert entstand daraus der Name Walnussbaum. Ebenfalls im 18. Jahrhundert förderte Kaiserin Maria Theresia den Anbau: „An jedem Hof soll ein Nussbaum stehen“.
1867 erfolgte eine erste Anpflanzung in Kalifornien. Kalifornien ist heute der größte Walnussexporteur der Welt und produziert etwa 2/3 der Walnusswelternte.
Die Echte Walnuss spielte schon seit Alters her eine mythische Rolle, auch in der christlichen Symbolik. Sie wurde wegen der majestätischen Erscheinung, des reichen Fruchtansatzes mit Königswürde und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht.
Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde bedauert, dass ihr Bestand durch Übernutzung und fehlende Nachpflanzung zurückging.

Botanik: 
Die Echte Walnuss (Juglans regia L.) gehört mit über 20 Arten zur Gattung der Walnüsse (Juglans) innerhalb der Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae).
Der sommergrüne Baum wird etwa 15m bis 25m hoch. Als junger Baum wächst er pro Jahr 1 bis 2m. Das Höhenwachstum endet mit ca. 60 – 80 Jahren. Er kann bis 600 Jahre alt werden.
Die Walnuss wächst mit ihren Pfahlwurzeln gut auf tiefgründigen, feuchten, nährstoff- und kalkreichen Lehm- und Tonböden. Horizontal reicht das Wurzelwerk um das Fünffache über die kugelförmige Krone hinaus. Sie liebt sonnige Lagen und ist deshalb eher im süddeutschen Raum z.B. in Weinanbaugebieten zu finden. Die Walnuss ist zwar winterhart, doch reagiert sie empfindlich auf starke Fröste (-28°C).
Der Stamm ist schon in geringer Höhe in mehrere gleich starke Äste gegabelt. Diese sind bogig aufwärts geschwungen und teilen sich in zahlreiche, oft gekrümmte und gedrehte kleinere Äste. Die Rinde ist in der Jugend grau und glatt, im Alter rissig und dunkelgraubraun.
Die wechselständigen bis zu 30 cm langen Blätter haben einen 3 cm – 5 cm langen Blattstiel, sind unpaarig gefiedert mit meistens 7 gegenständigen Fiederblättchen. Die einzelnen dunkelgrünen Fiederblättchen sind 6 cm bis 12 cm lang und 2 cm bis 6 cm breit. Sie sind elliptisch und fast ganzrandig. Beim Zerreiben riechen sie terpetinartig und sind besonders gerbstoffreich. Deshalb bauen sich die Blätter der Walnuss langsamer ab als anderes Laub.
Der Farbstoff Juglon in den grünen Pflanzenteilen wirkt außerdem auf andere Pflanzen keim- und wachstumshemmend. Diese biochemische Abwehr wird als Allelopathie bezeichnet. Deshalb wachsen unter einem Walnussbaum fast keine anderen Pflanzen. Der Volksmund sagt: „Was unterm Nussbaum wächst, taugt nichts.“
Dem Baum wird auch die Eigenschaft zugeschrieben, Fliegen zu vertreiben, sodass er auf den Bauernhöfen oft neben dem Misthaufen gepflanzt wurde. Auch ist vorteilhaft, dass die Blätter erst spät im Mai austreiben und früh im Herbst abfallen. Im Frühjahr wirft die als Hausbaum bezeichnete Walnuss erst spät Schatten, und im Herbst kann die Sonne wieder durch die blattlose Krone scheinen.
Die Walnuss ist ein einhäusiger, doch getrenntgeschlechtlicher Baum (männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze). Die männlichen Blüten öffnen sich im April/Mai in bis zu 15 cm langen gelbgrünen Kätzchen. Die unscheinbaren kleinen weiblichen Blüten mit gelben Narben erscheinen erst beim Blattaustrieb an den neuen Jahrestrieben. Zwei bis fünf Blüten stehen am Ende von Jungtrieben.
Die Befruchtung erfolgt durch Windbestäubung. Die endständig stehenden, grünen, drüsig punktierten, rundlich ovalen Früchte sind kultiviert 4 cm bis 5 cm lang. Kurz vor ihrer Reife Ende September platzt die dickfleischige grüne Schale und legt die Nuss mit ihrer harten Schale frei. Die Walnuss ist eine saftige
Schließfrucht mit einem Samen und einer harten Schale.
Der gefurchte Samen ist von einer bitter schmeckenden Samenhaut umgeben und durch unvollständig getrennte Scheidewände tief in 2 Teile geteilt.
Ein Baum kann bis zu 150 kg Nüsse in einem Jahr tragen.
Allerdings werden erst ab dem 4. Jahrzehnt gute Erträge erzielt und ab einen Alter von
10 – 20 Jahren trägt er erstmals. Die Weltproduktion beträgt zur Zeit etwa 1,5 Millionen Tonnen Walnüsse. Die Blätter, Knospen, Früchte und Triebe des
Walnussbaumes können u.a. durch Viren, Pilze, Läuse, Raupen Schaden erleiden. Bei zahlreichen Tieren sind die Nüsse als Nahrung und Wintervorrat sehr begehrt. Das trägt zur Verbreitung des Baumes bei.

Verwendung:
Die Walnuss wird vielseitig verwendet und ist ein wahres Kraftpaket. Sie bietet zwei Dinge von höchster Qualität: edelstes Holz und beste Nüsse.
Medizinisch eingesetzt werden die Laubblätter aufgrund ihres Gehaltes an Gerbstoffen in Form von Bädern oder Umschlägen bei leichten Entzündungen der Haut oder zur Verminderung übermäßiger Schweißbildung der Hände oder Füße.
Ältere Blätter und grüne Walnussschalen enthalten den Farbstoff Juglon, der zu bräunlichen bis schwarzen Verfärbungen der Haut führen kann. Die Färbewirkung wird in der Kosmetikindustrie zur Herstellung von Haarpflegemitteln genutzt. Sie wird auch für die Nussbeize verwendet. Juglon erwies sich im Tierversuch als mutagen (erbgutverändernd). Die Bedeutung für die äußerliche Anwendung ist noch nicht abgeklärt, daher sollte sie sparsam erfolgen.
Die reifen Samenkerne oder daraus hergestelltes Wallnussöl eignen sich wegen des hohen Gehaltes an ungesättigten Fettsäuren als wertvolles Nahrungsmittel. Sie enthalten bis zu 60% Öl, sowie etwa 20% Eiweiß. Walnüsse sind wegen ihrer Nähr- und Inhaltsstoffe einmalig. Überhaupt wird die Walnuss vom Kuchen bis zum Walnusseis in vielen Speisen verwendet.
Zur Unterstützung einer cholesterinmindernden Diät dienen 8 bis 11 Walnusskerne täglich. Da der Anteil an den wertvollen mehrfach ungesättigten Fettsäuren größer als 70% ist, reichen ca. 50 g/ Tag z.B. im Müsli oder Salat, um nachweislich die Cholesterinwerte zu senken und gleichzeitig einen Schutz vor Arteriosklerose zu bieten.
Weiterhin bemerkenswert ist ein hoher Gehalt an vermutlich rebshemmenden Stoffen, sowie an B-Vitaminen, urenelementen und Mineralstoffen. Zu beachten ist allerdings, dass Walnüsse sehr kalorienreich sind. Der Anbau der Echten Walnuss erfolgt in erster Linie wegen des Fruchtertrages. Da aber auch das Holz sehr begehrt und eines der teuersten Hölzer ist, wird versucht, den Baum vermehrt forstwirtschaftlich zu nutzen.
Das dunkelbraune gemaserte Holz ist zäh und biegsam und als wertvolles Furnier und Möbelholz sehr geschätzt. Es gilt als Ersatz für Tropenhölzer. Beliebt war es besonders bei Möbeln in der Biedermeierzeit und für Gewehrschäfte. Auch das Furnier aus Wurzelholz wird für exklusive Autoarmaturen verwendet.
Als adventliche und weihnachtliche Dekoration ist die Walnuss ebenfalls nicht mehr wegzudenken.
Das „Kuratorium Baum des Jahres“ hat die Walnuss als Baum des Jahres 2008 u.a. mit dem Appell benannt: „Wir sollten uns mehr um diesen typischen Hausbaum, unseren guten, alten Freund kümmern“.

Im Botanischen Garten Wuppertal steht die Echte Walnuss (Juglans regia L.) in der Nähe des Steppengartens.

Text: Barbara Lawatsch 08/08

Fotos: Prof. Dr. Manfred Brusten

Quellenangabe: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Juglans_regia

http://www.baum-des-jahres.de/

http://www.baumdoctor.com/baum-des-jahres-2008.html

http://www.nabu.de/m05/m05_10/07276.html
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