Mittwoch, 2. Mai 2012
Pflanze des Monats Mai 2012 - Breitblättriges Knabenkraut

Botanischer Name: Dactylorhiza majalis (Rchb.)
P.F. Hunt et Summerh.
Deutsche Namen: Breitblättriges Knabenkraut
Gewöhnliche Breitblättrige Fingerwurz
Pflanzenfamilie: Orchidaceae (Orchideen)
Heimat/Geschichte:
Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ist vom Tiefland bis in hochmontane Lagen in Europa bis Mittelsibirien zu finden. Es wurde 1828 von Ludwig Reichenbach beschrieben. Die Erforschung des Breitblättrigen Knabenkrautes und die anderer Erdorchideen begann aber erst um 1840. Peter Francis Hunt und Victor Samuel Summerhayes ordneten die Art dann 1965 der Gattung Dactylorhiza zu. Im Volksglauben und in der Volksmedizin war das Breitblättrige Knabenkraut aber schon sehr viel früher bekannt. Ihm wurden übersinnliche und heilende Kräfte zugeschrieben.
Der Gattungsname Dactylorhiza leitet sich von den griechischen Wörtern daktylos = Finger, da die Wurzelknollen fingerartig gestaltet sind und von rhiza = Wurzel ab. Das lateinische Wort maialis weist auf den Blühbeginn im Mai hin.
Durch fortschreitende Vernichtung seines Lebensraumes ist das Breitblättrige Knabenkraut stark gefährdet und steht unter strengem Naturschutz. Noch vor gut 100 Jahren war es z.B. in Nordrheinwestfalen häufig anzutreffen und weit verbreitet.
Botanik:
Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) gehört mit etwa 33 Arten innerhalb der Gattung Dactylorhiza (Knabenkräuter) zur Familie der Orchidaceae (Orchideen). Es ist eine ausdauernde, sommergrüne, doch voll frostharte Staude mit einer abgeflachten,
dreiteilig-handförmigen Knolle. Die kräftige Pflanze mit dickem Stängel kann bis 40 cm hoch werden. An ihm sitzen 4-6 abstehende, spitzeiförmige, fleischige, dunkel gefleckte Laubblätter, die nach oben hin am Stängel kleiner werden. Im unteren Stängelbereich werden sie bis zu 18 cm lang und bis 3.5 cm breit.
Den Abschluss des Stängels bildet eine prachtvolle, dichtblütige, 5 cm-15 cm lange, zylindrische Ähre. Sie blüht von Mai bis Mitte Juni mit bis zu 50 Blüten. Der Blühtenstand streckt sich erst zur Zeit der Blüte. Zuerst blühen die unteren Blüten. Die mehr als 2 cm langen Tragblätter bedecken die Blüten vor dem Aufblühen und sind länger als diese.
Die 10 mm-15 mm großen Blüten sind lebhaft purpurviolett gefärbt. Die Einzelblüte trägt die seitlichen Kelchblätter (7 mm-12 mm lang, 2.5 mm-5 mm breit) nach oben abstehend, die übrigen bilden mit den Blütenblättern (6 mm-11 mm lang) eine Haube. Die hängende Lippe ist breiter als lang, dreilappig mit punkt- oder strichförmiger Schleifenzeichnung. Die Mittellippe ist etwas länger als die Seitenlappen. Die außerdem abwärts gespornten Blüten enthalten keinen Nektar.
Insekten, meistens Bienen, die durch die auffallende Lippe angelockt werden, werden nur zur Bestäubung verleitet.
In einer einzigen Frucht, einer Kapsel, entstehen im September mehrere tausend bis hunderttausend winzige Samen, die bei trockenem Wetter bis zu 10 km weit verweht werden. Diese ungeheure Zahl steht der geringen Wahrscheinlichkeit gegenüber, dass der Samen ein geeignetes Keimbett findet. Da er keine Reservestoffe besitzt, ist er auf Nahrungshilfe von außen angewiesen. Und die bietet in Symbiose, auch zeitlebens mit der Pflanze, nur ein Mykorrhizapilz, der nicht überall vorhanden ist. Das wurde um 1840 entdeckt.
Schädlinge und Krankheiten sind nicht bekannt.
Knabenkräuter sind häufig schwer zu bestimmen, da die Gattung eine große Variabilität der Arten zeigt.
Standort / Verwendung/ Pflege:
Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ist mit seinen Wachstumsansprüchen eng auf bestimmte Standortverhältnisse spezialisiert. Es wächst vorzugsweise auf basischen, von Sonne beschienenen, nährstoffarmen Feuchtwiesen, auch Bachrändern, die für die Beweidung ungeeignet sind. Es war früher die häufigste unserer heimischen Orchideenarten. Da die Standorte vielerorts in ertragsreiches Grünland z.B. durch Düngung, Bauland durch Trockenlegung usw. umgewandelt wurden oder sich durch Flächenstilllegung bewaldeten, konnte es weitgehend nicht überleben.
Ohne Schutzmaßnahmen, sie kommen auch allen anderen lichtbedürftigen Feuchtwiesenblumen zugute, wird es bald ganz verschwunden sein. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde es schon 1994 zur „Blume des Jahres 1994“ benannt.
Kulturversuche, d.h. eine gärtnerische Anzucht, verlaufen bis heute nicht zufriedenstellendend. Artenschutz ist also vorrangig Biotopschutz.
Andererseits ist das Bemühen um die Kultur von Knabenkräuterhybriden aktiver Naturschutz. Sie verhindert z.B. die Entnahme von Exemplaren aus der Natur, die sie bei der Überführung meistens nicht überstehen.
Text: Babara Lawatsch 4/12
Fotos: Prof. Dr. Manfred Brusten
Quellenangabe: Ulmers Pflanzenmagazin
Gartenpraxis 12/1997
Verlag Eugen Ulmer / Stuttgart
Jelitto, Schacht, Simon
Die Freilandschmuckstauden, Band I
Eugen Ulmer, Stuttgart, 2002
http://de.wikipedia.org/wiki/Breitbl%C3%A4ttriges_Knabenkraut
Montag, 2. April 2012
Pflanze des Monats April 2012 - Sandbirke

Botanischer Name: Betula pendula Roth
Deutsche Namen: Sandbirke
Hänge-Birke
Weißbirke
Warzenbirke
Englischer Name: silver birch
Pflanzenfamilie: Betulaceae (Birkengewächse)
Heimat/Geschichte:
Die Heimat der Sandbirke (Betula pendula Roth) umfasst die gemäßigten und kühlen Zonen der Nordhalbkugel (Europa, Nordasien und Sibirien).
Vorwiegend ist sie in den borealen Nadelmischwäldern Sibiriens und Skandinaviens auf nährstoffarmen, trockenen Sandböden mit Kiefer und Eiche zu finden.
Birken markieren im Norden auf weiten Strecken die natürliche Waldgrenze. Ihr Verbreitungsgebiet reicht im Osten bis zum Jenissei, Altaigebirge, Kaukasus und Nordpersien. In den Südalpen steigt sie bis auf 1.900m über Normalnull. Pollenanalysen beweisen, dass sie nach der großen Vereisung vor 13.000-9.800 Jahren auch Mitteleuropa einmal große Areale einnahmen. Heute existieren bei uns nur noch vereinzelt kleinräumige Birkenwälder. Als Einzelbäume, Baumreihen oder kleine Gruppen sind Birken dagegen fast überall in Städten und Landschaften zugegen.
Die Birke (Betula pendula Roth) galt bei den Germanen als ein prachtvoller Zauberbaum, der den Frühling verkörperte. Und noch heute erinnern die Pfingst- und Fronleichnamsbirken daran. In der Mythologie symbolisiert die Birke Liebe, Glück und Schönheit. Diese Eigenschaft wird ihr auch als Mai- und Pfingstbaum zugeschrieben.
Botanik:
Die Sandbirke (Betula pendula Roth) gehört zu der Pflanzenfamilie der Betulaceae (Birkengewächse). Die Gattung Betula ist mit etwa 48 Arten laubabwerfender Bäume und Sträucher verbreitet. Weitere Arten sind z.B. die Zwergbirke (B. nana), die Moorbirke (B. pubescens) und die Strauchbirke (B. humilis).
Die Krone der teils bis zu 20m hohen Sandbirke ist Anfangs schmal, später rundlich gewölbt und sehr lichtdurchlässig. Die spitzdreieckigen bzw. rautenförmigen Blätter, welche im Frühjahr etwas duften, färben sich in den Herbstmonaten leuchtend gelb. Die Blüten der Sandbirke sind einhäusig, was bedeutet, dass sie getrennt jeweils zu Kätzchen zusammengefasste, männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze hervorbringt.
Sie blüht Anfang Mai in gelblicher Farbe. Birken können bereits im Alter von 5 Jahren Samen ansetzten.
Ihre Früchte, kleine geflügelte Nüsschen, verbreitet sie mit dem Wind. Theoretisch gibt es so einen Außbreitungsradius von bis zu 1,6km.
Die Rinde der Sandbirke (Betula pendula Roth) ist weiß, mit schwarzen Rissen.
Standort / Verwendung/ Pflege:
Die Sandbirke (Betula pendula Roth) ist extrem empfindlich gegen Bodenverdichtung. Daher sollte der Boden fest bis luftig sein um ein gutes Wachstum des Baumes zu fördern.
Die Sandbirke verträgt volle Sonne bis Schatten. Bei stärkerem Schatten ist der Baum ausweichend und schiefwüchsig. Die Sandbirke ist frosthart, ihre Blätter erfrieren erst bei minus 6°C.
Das relativ weiche, nur begrenzt dauerhafthaltende Holz der Birken ist mittelschwer und durch feine lange Fasern zäh und elastisch. Das einerseits schwer spaltbare aber gut bearbeitbare Holz der Birke findet im Möbel- und Innenausbau, für Sperrholz, Span- und Faserplatten, für Zellstoff sowie Drechselarbeiten Verwendung.
Früher wurden Holzschuhe und Propeller aus Birkenholz gefertigt. Heute werden wertvolle Furniere aus den verschiedenen Maserungen (Maser-, Flammen-, Vogelaugenbirke) des gelblich, rötlichweißen, oder hellbraunen Holzen hergestellt, sodass es zunehmend als Tropenholzersatz benutzt wird. Birkenholz ist ein hervorragendes Brennholz. Aufgrund des Birkenteers in der inneren Rinde, lässt es sich selbst bei feuchtem Wetter noch gut Verbrennen.
Auch die Sandbirke bleibt wie andere ihrer Gattung nicht von Schädlingen verschont. Eine Pilzinfektion verursacht bei einigen Birken so auch bei der Sandbirke (Betula pendula Roth) sogenannte „Hexenbesen“. Der Name entstand in Anlehnung an die Vorstellung, Hexen seien auf ihrem Flug mit dem Besen im Astwerk hängengeblieben.
Hexenbesen bestehen aus auffälligen Anhäufungen mit dichtästigen, kugelartigen Verzweigungen an der Triebbasis. Es handelt sich um Missbildungen, die durch Schlauchpilze (Taphrina betulina) hervorgerufen werden.
In der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) werden Bestandteile der Sandbirke ebenfalls genutzt, vorwiegend Blätter, Knospen und Rinde. Im Frühjahr wird durch Anbohren der Stämme ein Blutungssaft gewonnen, aus dem Haarwasser und Birkenwein hergestellt wird. Aus der Rinde lässt sich Birkenteer herstellen, der als Pix Betulinae gegen Hautkrankheiten und als Juchtenöl zur Behandlung von Leder eingesetzt wird. Bei weiterer Destillation entsteht Birkenpech, welches in früheren Zeiten (seit der Altsteinzeit bis ins Mittelalter) als universell verwendbarer Klebstoff diente.
Im Botanischen Garten Wuppertal ist die Sandbirke an zwei Stellen zu finden. Einmal unterhalb des alten Alpinums und neben dem Heidetümpel.
Quellenangabe:
Farbatlas Gehölzkrankheiten
Nienhaus, Butin, Böhmer
Eugen Ulmer GmbH & Co 1996
http://www.dainet.de/sdw/faltblatt-birke/betula.htm
http://www.stihl.de/service/baumlexikon/sandbirke.htm
http://www.forum-naturheilkunde.de/phytotherapie/kurzportraet/birke.html
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4nge-Birke
Donnerstag, 1. März 2012
Pflanze des Monats März 2012 - Echte Zimmerlinde

Botanischer Name: Sparrmannia africana L.f.
Deutsche Namen: Echte Zimmerlinde
Kapländische Zimmerlinde
Pflanzenfamilie: Tilliaceae (Lindengewächse)
Heimat/Geschichte:
Die Echte Zimmerlinde (Sparrmannia africana L. f.), ein großer Strauch oder kleiner Baum, ist ausschließlich in den gemäßigten und tropischen Zonen Südafrikas und auf Madagaskar beheimatet. Sie kommt dort in lichten Gehölzen vor.
Carl von Linne jr. (1741-1783) hat sie erstmals beschrieben. Benannt wurde sie nach dem schwedischen Naturwissenschaftler Anders Sparrman (1747-1787), der im Auftrag Linnes das Kapland bereiste. Schon kurz nach ihrer Entdeckung wurde sie nach Europa eingeführt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte sie zu den beliebtesten Zimmer- und Wintergartenpflanzen, wurde dann als altmodisch empfunden und geriet in Vergessenheit.
Mit dem Trend zu Innenraum- und Großraumbegrünungen wurde sie seit etwa 1980 als attraktive Blatt- und Blütenpflanze wiederentdeckt.
Botanik:
Die Echte Zimmerlinde (Sparrmannia africana L.f.) gehört, mit nur 7 Arten der Gattung Sparrmannia, zur Familie der Tilliaceae (Lindengewächse).
Sie ist ein vielstämmiger, baumartiger, nicht frostharter, immergrüner, rasch wachsender Strauch. Er kann etwa 3 m - 6 m hoch und 2 m - 4 m breit werden. Die anfangs fleischigen Stämme verholzen sehr schnell.
Die dicht samtartig behaarten, wechselständig angeordneten, lindgrünen Blätter ähneln, auch von der Form her, einem Lindenblatt. Daher leitet sich auch der deutsche Name „Zimmerlinde“ ab. Die langstieligen Blätter sind herzförmig-eckig, bis etwa 20 cm lang und ebenso breit und haben buchtig gezähnte Blattränder. Die Blattnerven sind ausgeprägt.
Die rein weißen, leicht duftenden, 3 cm - 4 cm breiten Blüten erscheinen von Januar bis April. Sie haben je vier schmale nicht verwachsene Kelchblätter und Blütenblätter. Auffallend sind die zahlreichen gelb-rot gefärbten Staubblätter, die im äußeren Kreis teilweise unfruchtbar sind. Sie ragen in einem halbrunden Büschel aus der langgestielten Blüte heraus.
Die ebenfalls zahlreichen Blüten sind bis zu je 20 in end- oder achselständigen Trugdolden angeordnet.
Die Blüten werden durch Insekten befruchtet. Aus ihnen entwickeln sich kugelige, stachelborstige Kapseln, deren Samen im Ursprungsland durch Tiere, an denen die Kapseln hängenbleiben, verbreitet werden.
Bei falscher Pflege ist die Echte Zimmerlinde anfällig u.a.
für die Rote Spinne, die Weiße Fliege und Schildläuse.
Sie gilt als schwach giftig, da Hautreizungen durch
Berührung mit den Blättern möglich sind.
Standort / Verwendung/ Pflege:
Die Echte Zimmerlinde (Sparrmannia africana L.f.) ist eine alte und heute wieder beliebte Zimmerpflanze. Da sie raschwüchsig ist und innerhalb eines Jahres von einer Topfpflanze zu einem stattlichen Strauch heranwachsen kann, muss sie zurückgeschnitten werden. Das ist für die Pflanze problemlos und sollte nach der Blüte erfolgen.
Im Sommer ist der Wasserbedarf hoch, da die zahlreichen, großen Blätter viel Wasser verdunsten.
Doch muss Staunässe vermieden werden. Auch darf sie keiner intensiven Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden. Sie benötigt einen kühlen, jedoch hellen Standort mit höherer Luftfeuchtigkeit. Überwintern sollte sie bei 8°C bis 12°C.
Als Erde eignet sich normale Blumenerde mit leicht erhöhtem Lehmanteil.
Die Echte Zimmerlinde wird hauptsächlich durch Kopf- oder Seitenstecklinge von Blütentrieben leicht vermehrt. Von Mai bis September kann sie auch im Freiland stehen.
Da sie langlebig ist, wirken alte, reich verzweigte Exemplare am schönsten und dekorativsten.
Im Botanischen Garten Wuppertal steht sie im Warmgewächshaus.
Text: Barbara Lawatsch 02/12
Fotos: Dirk Derhof
Quellenangabe: Encke, Fritz:
Pareys Blumengärtnerei, Band II
Paul Parey in Berlin u. Hamburg, 1960
Botanisches Institut Bonn:
Dumont’s Große Pflanzenenzyklopädie, Band II
DuMont, Köln, 1998
http://de.wikipedia.org/wiki/Kap1%C3%A4ndischeZimmerlinde
http://www.livingathome.de/pflanzen_gaertnern/zimmergarten/detail.html?zimmerpfl...
Donnerstag, 2. Februar 2012
Pflanze des Monats Februar 2012 - Heckenkirsche

Botanischer Name: Lonicera x purpusii Rehder
Deutsche Namen: Heckenkirsche
Winterheckenkirsche
Geißblatt
Wintergeißblatt
Englischer Name: Winter Beauty
Pflanzenfamilie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
Heimat/Geschichte:
Die Heckenkirsche (Lonicera x purpusii Rehder) ist eine Hybride der aus China stammenden Lonicera fragantissima und Lonicera standishii. Sie ist vor 1920 im Botanischen Garten von Darmstadt entstanden.
Die Gattung Lonicera ist als Strauch oder Schlingpflanze in den gemäßigten Zonen auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde verbreitet.
Sie ist nach dem Arzt und Naturwissenschaftler Adam Lonitzer (1528-1586) benannt. Die deutsche Bezeichnung „Geißblatt“ lässt sich nicht mit Sicherheit eindeutig erklären.
Botanik:
Die Heckenkirsche (Lonicera x purpusii Rehder) gehört mit etwa 200 Arten der Gattung Lonicera zur Familie der Caprifoliaceae (Geißblattgewächse).
Sie ist ein dicht verzweigter, frostharter, laubabwerfender bis wintergrüner, aufrechter Strauch von 2-3 Metern Höhe und mindestens solcher Breite, mit überhängenden, markgefüllten Ästen.
Die oval – elliptischen, zugespitzten, gegenständigen, oberseitig dunkelgrünen, unterseitig blaugrünen Blätter sind 5 bis 10 cm lang. Außer an den unterseitig behaarten Nerven sind sie kahl.
Die stark, beinahe tropisch nach Honig duftenden und frühe Insekten anlockenden, zwittrigen Blüten erscheinen oft schon im Dezember. Die Hauptblütezeit ist aber von Februar bis April.
Die rein weißen, viel Nektar enthaltenen, kurzstieligen Röhrenblüten enden in 5 Zipfeln.
Sie haben außerdem 5 auffällige Staubblätter und einen langen Griffel, der in einer kopfigen Narbe endet. Die Blüten stehen zu 2-4 in achselständigen, langstieligen Büscheln. Stehen die Blüten paarweise, können die unterständigen Fruchtknoten miteinander verwachsen.
Aus dem 5-fächerigen Fruchtknoten entwickeln sich während des Sommers rote, glänzende wenigsamige Beeren. Die Beeren sind ungenießbar für den Menschen und verursachen bei Verzehr Übelkeit.
Von Schädlingen und Krankheiten wird der robuste Strauch nicht befallen.
Standort / Verwendung/ Pflege:
Die Heckenkirsche (Lonicera x purpusii Rehder) wächst auf fast allen wasserdurchlässigen Böden in voller Sonne oder im Halbschatten. Sie ist anspruchslos. Da ihr starker Duft noch in etwa 10 m Entfernung wahrgenommen wird, ist sie ein attraktiver Winter- und Vorfrühlingsblüher.
Sie sollte deshalb in keinem Park und Garten fehlen.
Als Solitärgehölz eignet sie sich nicht so gut, da sie im Sommer unscheinbar wirkt. In Heckenbepflanzungen bietet sie jedoch auch guten Sichtschutz.
Die Heckenkirsche wird vorwiegend vegetativ durch Stecklinge vermehrt.
Ein regelmäßiger Rückschnitt ist nicht erforderlich. Nur bei „Vergreisung“ sollte zurückgeschnitten werden.
Die duftenden Zweige halten sich im Winter ein paar Tage in der Vase und machen jedes Raumspray überflüssig.
Text: Barbara Lawatsch 01/12
Fotos: Prof. Dr. Manfred Brusten
Dirk Derhof
Quellenangabe: Krüssmann, Gerd:
Handbuch der Laubgehölze, Band II
Paul Parey in Berlin u. Hamburg, 1977
Botanisches Institut Bonn:
DuMont’s Große Pflanzenenzyklopädie, Band II
DuMont, Köln, 1998
Bärtels, Andreas:
Enzyklopädie der Gartengehölze
Eugen Ulmer, Stuttgart, 2001
http://de.wikipedia.org/wiki/Heckenkirsche
http://www.helmers.de/pflanzen/Laubgehoelze/lonicera_purpusii.php
http://stauden-ksv.de/blogs/index.php?blog=2&title=lonicera_purpusii_die_duftende_winter_he&more=1&c=1&tb=1&pb=1
http://www.hauenstein-rafz.ch/de/pflanzenwelt/pflanzenportrait/laubgehoelze/Winterbluehendes-Geissblatt-Lonicera-purpusii.php
Montag, 2. Januar 2012
Pflanze des Monats Januar 2012 - Gemeine Mistel

Botanischer Name: Viscum album L.
Deutsche Namen: Weiße Mistel
Hexenbesen
Donarbesen
Druidenfuß
Pflanzenfamilie: Viscaceae (Mistelgewächse)
Heimat/Geschichte:
Die Gemeine Mistel (Viscum album L.) ist hauptsächlich in Europa und Nordasien verbreitet. Dort wächst sie als Halbschmarotzer auf Obstbäumen, Pappeln und anderen Laubbäumen.
Sie gehört zu den ältesten Zauberpflanzen. Man schrieb ihr schon in der griechischen und germanischen Mythologie magische Kräfte zu, weil sie so geheimnisvoll hoch oben in den Bäumen wächst. Bei den keltischen Druiden war sie die heiligste aller Pflanzen. Sie galt als Glücksbringer, Schutz vor bösen Geistern, Fruchtbarkeitssymbol und war ein Allheilmittel bei verschiedenen Krankheiten. Tatsächlich bestätigt die moderne Medizin, auch die Schulmedizin, die Heilkräfte der Mistel.
Der lateinische Name –viscum- bedeutet „ Klebstoff, Leim“). Der Name -album- bezieht sich auf die weiße Farbe der Beeren. Das Wort Mistel ist althochdeutschen Ursprungs und leitet sich von „Vogelmist“ ab.
In Deutschland ist die Mistel geschützt und darf nicht gesammelt werden. In Frankreich z.B., wo das Vorkommen häufiger ist, ist das Ernten erlaubt.
Botanik:
Die Gemeine Mistel (Viscum album L.) gehört mit etwa 70 Arten zur Gattung Viscum innerhalb der Familie der Viscaceae (Mistelgewächse).
Sie ist ein immergrüner, meistens zweihäusiger, getrenntgeschlechtiger , kurzstämmiger Strauch, der auf Laubbäumen wächst. Andere Unterarten sind auf Nadelbäumen zu finden. Da sie Chlorophyll enthält und so durch Photosynthese Kohlenhydrate erzeugen kann, entzieht sie ihrem Wirt nur Wasser und Mineralstoffe über ihre Wurzeln. Nur wenn sie vermehrt auftritt, kann sie der Wirtspflanze schaden und sie zum Absterben bringen.
Die Mistel kann bis zu 1 m hoch und breit werden und sieht im Winter in den kahlen Laubbäumen wie ein großes Vogelnest aus.
Sie gehört zu den langsam wachsenden Gehölzen. Wenn sie einen Durchmesser von 50 cm erreicht hat , ist sie etwa 30 Jahre alt.
Die Mistel senkt ihre Wurzeln, nachdem sie sich mit einer Haftscheibe am Ast festgeklammert hat, durch die Rinde des Wirtsbaumes bis in dessen Leitungsbahnen. Dort verankert sie sich. Die biegsamen , kahlen Zweige sind hellgrün. Sie sind regelmäßig nach allen Seiten gabelig verzweigt. So entsteht die Kugelform etagenweise. Die Zweige können 20 cm lang werden.
An ihren Enden wachsen zwei gegenständige, gebogene, verdickte, parallelnervige, lederige, gelbgrüne, fast sitzende Blätter. Sie sind 1 cm- 5 cm lang, länglich, zum Ende hin verkehrt eiförmig und stumpf. Die Mistel blüht erst nach 5 Jahren.
In den Blattachseln erscheinen im Frühjahr, von April bis Mai, die sehr kleinen unscheinbaren, vierteilig aufgebauten gelben Blüten zu 3-5 in doldigen Ständen.
Männliche und weibliche Blüten wachsen auf verschiedenen Pflanzen. Die männlichen Blüten sind etwas größer als die weiblichen. Die Blüten duften schwach nach Orange und locken viele Insekten an.
Die erbsengroßen Beeren, Scheinfrüchte, reifen im September. Sie sind weiß, durchscheinend und enthalten einen sehr klebrigen Samen.
Die Beeren werden gerne von Vögeln, bevorzugt von der Misteldrossel, gefressen. Das trägt zur Verbreitung der Samen bei. Der Samen bleibt durch seinen zähen Schleim auch am Schnabel hängen. Wenn die Vögel ihre klebrigen Schnäbel an den Ästen wetzen, haftet er am Baum an. Auch die Ausscheidung des unverdauten Samens spielt bei der Verbreitung der Mistel eine Rolle.
Alle Pflanzenteile sind leicht und je nach Wirtsbaum unterschiedlich stark, giftig. Bei Kindern kann es beim Verzehr der Beeren zu Magen – und Darmbeschwerden kommen.
Standort /Verwendung:
Die Gemeine Mistel (Viscm album L.) ist oft in Flusstälern zu finden wegen der dort hohen Luftfeuchtigkeit.
Gärtnerisch hat sie keine Bedeutung, dafür umso mehr im Volksbrauchtum und der Naturheilkunde. Der Brauch, Mistelzweige als Weihnachtsschmuck mit vielerlei Bedeutung zu verwenden, kam vor etwa 30 Jahren aus England und Frankreich zu uns und wurde auch hier beliebt.
In der Kunst taucht die Mistel als Motiv sehr oft im Jugendstil auf.
Heute ist ihre medizinische Bedeutung unter Verwendung der Blätter und Zweige als Begleittherapie bei Krebsbehandlungen anerkannt.
Die Mistel ist schön und geheimnisvoll.
Die Tanne duftet,
die Stechpalme glänzt.
Und vom Balkonknauf, weißbeerig sie,-
Lauscht die Mistel nieder,
die Schelmin, die!
Ferdinand Freiligrath (1810-1876)
Text: Barbara Lawatsch 12/11
Fotos: Prof. Dr. Manfred Brusten
Quellenangabe: Encke, Fritz:
Pareys Blumengärtnerei , Band I
Paul Parey in Berlin und Hamburg, 1958
Krüssmann, Gerd: Handbuch der Laubhölze, Band III
Paul Parey in Berlin und Hamburg, 1978
Bärtels, Andreas:
Enzyklopädie der Gartengehölze
Eugen Ulmer, Stuttgart, 2001
http://www.botanikus.de/Beeren/Mistel/mistel.html
http://www.heilkraeuter.de/lexikon/mistel.htm
http://www.zauber-pflanzen.de/viscum.htm